Ratgeber
Heizung nachts runterdrehen: Spart das wirklich Geld?
Nachts die Heizung runterzudrehen spart Geld, aber weniger als die meisten glauben. Wie viel wirklich übrig bleibt, entscheidet dein Gebäude: Dämmung, Heizsystem und Heizkörper. In manchen Häusern kostet die Absenkung sogar mehr, als sie bringt.
Ein Grad weniger Raumtemperatur senkt den Heizenergiebedarf um rund sechs Prozent. Das gilt für den Dauerbetrieb, nicht für acht Stunden Nacht.
Altbau ohne Dämmung: 3 bis 8 Prozent. Haus nach 2002: 1 bis 3 Prozent. Neubau mit dichter Hülle: praktisch null.
Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Passivhaus. Diese Systeme arbeiten träge und brauchen für das Aufholen mehr Energie als die Absenkung spart.
Unter 16 Grad kühlen Außenwände so weit aus, dass sich Feuchte niederschlägt. Genutzte Räume sollten nicht dauerhaft darunter liegen.
Wie viel spart die Nachtabsenkung wirklich?
Rechne es an deinem eigenen Verbrauch nach. Ein Beispiel für ein Reihenhaus mit 130 Quadratmetern aus den siebziger Jahren:
- Gasverbrauch: 18.000 Kilowattstunden im Jahr
- Gaspreis: rund 11 Cent je Kilowattstunde, Stand 2026
- Heizkosten: etwa 1.980 Euro im Jahr
- Absenkung von 21 auf 17 Grad für acht Stunden
- Ersparnis bei 5 Prozent: rund 100 Euro im Jahr
Hundert Euro sind kein großer Wurf, aber sie kosten dich nichts außer einer Einstellung am Thermostat. Im gleichen Haus bringt eine dauerhaft um ein Grad niedrigere Tagestemperatur etwa 120 Euro. Beides zusammen ergibt schon rund 220 Euro.
Warum die Nacht so wenig hergibt, liegt an der Physik. Ein Raum verliert seine Wärme langsam. In einem ungedämmten Altbau fällt die Temperatur in acht Stunden um vielleicht drei Grad, im gedämmten Haus um weniger als ein Grad. Und nur die tatsächlich gesparte Gradzahl zählt, nicht die am Thermostat eingestellte.
Warum bringt die Absenkung bei Wärmepumpe und Fußbodenheizung nichts?
Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie mit niedriger Vorlauftemperatur gleichmäßig durchläuft. Beim Aufheizen am Morgen muss sie die Vorlauftemperatur anheben. Genau das verschlechtert ihre Arbeitszahl, oft springt zusätzlich der elektrische Heizstab an. Der Mehrverbrauch beim Hochfahren frisst die nächtliche Ersparnis auf.
Bei einer Fußbodenheizung kommt die Trägheit dazu. Der Estrich speichert Wärme über Stunden. Senkst du abends ab, reagiert der Boden erst mitten in der Nacht. Morgens ist es dann noch kalt, wenn du aufstehst. Eine leichte Absenkung um ein bis zwei Grad ist möglich, mehr lohnt sich nicht.
Sinnvoll ist die Nachtabsenkung dort, wo Heizkörper an einem Gas- oder Ölkessel hängen und das Gebäude schlecht gedämmt ist. Das trifft auf viele Bestandsbauten bis Baujahr 1995 zu.
Auf welche Temperatur solltest du nachts absenken?
Eine Absenkung um vier bis fünf Grad gilt als guter Wert für Häuser mit Heizkörpern. Mehr ist selten sinnvoll, weil das Aufheizen dann zu lange dauert und die Wände zu stark auskühlen.
| Raum | Tag | Nacht | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 20 bis 21 Grad | 17 bis 18 Grad | Hauptaufenthaltsraum, hier lohnt die Absenkung am meisten |
| Schlafzimmer | 17 bis 18 Grad | 16 bis 17 Grad | schon tagsüber kühl, viel Spielraum bleibt nicht |
| Kinderzimmer | 20 Grad | 18 Grad | nachts nicht unter 18 Grad, Kinder decken sich auf |
| Bad | 22 bis 23 Grad | 18 bis 19 Grad | morgens 30 Minuten vorher hochfahren lassen |
| Küche | 18 bis 20 Grad | 17 Grad | Kochen und Geräte heizen mit |
| Flur, Diele | 16 bis 18 Grad | 16 Grad | Türen zu beheizten Räumen geschlossen halten |
Im unsanierten Altbau mit feuchtem Mauerwerk gehst du vorsichtiger vor. Zwei bis drei Grad reichen dort. Kalte Außenwände sind die häufigste Ursache für Schimmel hinter Möbeln.
Verbraucht das Aufheizen am Morgen nicht mehr, als du sparst?
Nein, bei Heizkörpern nicht. Das hält sich seit Jahrzehnten, stimmt aber nicht. Ein ausgekühlter Raum verliert weniger Wärme an die Umgebung als ein warmer. Genau diese geringeren Verluste sind die Ersparnis. Beim Aufheizen holst du nur zurück, was der Raum an Speicherwärme abgegeben hat.
Anders liegt der Fall bei Wärmepumpen. Dort steigt beim Aufheizen nicht nur die Menge, sondern auch die nötige Vorlauftemperatur. Jedes Grad mehr Vorlauf kostet Effizienz. Deshalb kippt die Rechnung genau bei diesem Heizsystem.
Falsch ist auch der zweite Klassiker: das Thermostat auf Stufe 5 zu drehen, damit es schneller warm wird. Der Raum heizt dadurch nicht schneller auf. Er heizt nur über das Ziel hinaus.
Wie stellst du die Absenkung richtig ein?
Es gibt drei Ebenen, und sie greifen ineinander.
- Heizungsregler am Kessel: Hier trägst du die Absenkzeiten ein, meist 22 bis 6 Uhr. Der Regler senkt dann die Vorlauftemperatur für das ganze Haus. Das ist der wirksamste Hebel, weil auch der Kessel weniger arbeitet.
- Heizkurve: Sie legt fest, wie heiß der Vorlauf bei welcher Außentemperatur wird. Ist sie zu steil eingestellt, heizt die Anlage dauerhaft über Bedarf. Ein Fachbetrieb passt sie beim hydraulischen Abgleich an.
- Thermostate am Heizkörper: Sie begrenzen die Temperatur im einzelnen Raum. Klassische Köpfe kennen keine Uhrzeit. Programmierbare Thermostate kosten 15 bis 60 Euro je Stück und senken automatisch ab.
Wichtig ist die Reihenfolge. Senkst du nur an den Thermostaten ab, läuft der Kessel weiter auf voller Vorlauftemperatur. Der Spareffekt bleibt dann klein. Am meisten holst du heraus, wenn Regler und Thermostate zusammenpassen.
Smarte Thermostate lernen zusätzlich, wie lange dein Raum zum Aufheizen braucht. Sie starten die Heizung so, dass die Wunschtemperatur pünktlich erreicht ist. Für Räume mit festen Zeiten, etwa das Bad, lohnt sich das schnell.
Wie kalt darf ein Raum werden, ohne dass Schimmel entsteht?
Schimmel entsteht nicht durch Kälte, sondern durch Feuchte auf kalten Flächen. Je kälter eine Wand, desto eher fällt Kondenswasser aus der Raumluft an. Deshalb ist die Wandtemperatur der kritische Punkt, nicht die Luft in der Zimmermitte.
Als praktische Grenze gelten 16 Grad in genutzten Räumen. Darunter wird es in Außenecken, hinter Schränken und an Fensterlaibungen kritisch. Ein Hygrometer für 10 bis 20 Euro hilft dir beim Mitlesen: Bleibt die Luftfeuchte unter 60 Prozent, hast du Spielraum. Steigt sie über 65 Prozent, lüfte häufiger und heize etwas mehr.
Drei Regeln senken das Risiko deutlich. Möbel mit fünf Zentimetern Abstand vor Außenwände stellen. Kalte Räume nicht mit warmer Luft aus dem Wohnzimmer beheizen, sondern Türen schließen. Und zwei- bis viermal täglich für fünf bis zehn Minuten quer lüften.
Häufige Fragen
Ist es besser, die Heizung nachts ganz auszuschalten?
Lohnt sich die Absenkung auch im Urlaub?
Wie viel spart ein programmierbares Thermostat?
Muss ich in einer Mietwohnung eine Mindesttemperatur halten?
Was bringt mehr: nachts absenken oder Heizkörper entlüften?
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Preis- und Verbrauchsangaben sind Spannen und Richtwerte, Angaben ohne Gewähr.
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