Ratgeber
Balkonkraftwerk: Ausrichtung und Neigungswinkel richtig wählen
Den meisten Strom liefert ein Balkonkraftwerk nach Süden mit 30 bis 40 Grad Neigung. Doch auch ein Ost- oder Westbalkon lohnt sich, und das senkrechte Modul am Geländer ist besser als sein Ruf.
30 bis 40 Grad bei Südausrichtung. Das ist der Jahresbestwert für Deutschland, nicht für jeden Monat.
Rund 70 Prozent des Optimums nach Süden. Im Winter oft sogar im Vorteil, weil die Sonne tief steht.
80 bis 85 Prozent des Südertrags bei flacher Neigung. Der Strom kommt morgens oder abends, wenn viele Haushalte ihn brauchen.
Schatten. Schon ein verschattetes Teilstück kann die Leistung eines ganzen Moduls deutlich drücken.
Welche Himmelsrichtung bringt wie viel?
Die Sonne steht mittags im Süden. Ein Südmodul bekommt deshalb über den Tag die meiste direkte Strahlung ab. Jede Abweichung davon kostet Ertrag, aber weniger als viele denken. Zwischen Südost und Südwest liegen die Verluste meist unter zehn Prozent.
Diese Richtwerte gelten für Deutschland und beziehen sich auf den Jahresertrag. Sie stammen aus gängigen Ertragstabellen für Solarmodule und schwanken je nach Standort um einige Prozentpunkte.
| Ausrichtung | 30 bis 40 Grad Neigung | Senkrecht (90 Grad) | Ertrag bei 800 Wp pro Jahr, grob |
|---|---|---|---|
| Süd | 100 Prozent | ca. 70 Prozent | 550 bis 850 kWh |
| Südost, Südwest | ca. 95 Prozent | ca. 65 Prozent | 500 bis 800 kWh |
| Ost, West | 80 bis 85 Prozent | ca. 50 bis 55 Prozent | 400 bis 680 kWh |
| Nordost, Nordwest | ca. 65 Prozent | ca. 35 Prozent | 250 bis 520 kWh |
| Nord | ca. 55 bis 60 Prozent | ca. 25 bis 30 Prozent | 200 bis 480 kWh |
Die Zahlen zeigen zweierlei. Erstens: Ost und West sind keine Notlösung. Zweitens: Der Winkel wiegt bei Ost und West schwerer als bei Süd. Ein senkrechtes Westmodul verliert fast die Hälfte gegenüber einem flach geneigten.
Welcher Neigungswinkel ist der richtige?
Über das ganze Jahr liegt das Optimum in Deutschland bei 30 bis 40 Grad. Im Sommer steht die Sonne hoch, dann wären flachere Winkel besser. Im Winter steht sie tief, dann gewinnt ein steiles Modul.
- Sommer: 25 bis 35 Grad bringen den meisten Strom.
- Frühling und Herbst: 40 bis 55 Grad.
- Winter: 55 bis 70 Grad, weil die Mittagssonne im Dezember nur noch knapp über dem Horizont steht.
Verstellbare Aufständerungen gibt es für Balkonboden, Flachdach und Garten. Zwei Umstellungen im Jahr, im März und im Oktober, reichen. Den Rest regelt der Jahresmittelwert. Was im Winter sonst noch zählt, steht im Beitrag Balkonkraftwerk im Winter.
Lohnt sich die senkrechte Montage am Balkongeländer?
Ja, wenn der Balkon nach Süden, Südost oder Südwest zeigt. Du verlierst im Jahresmittel zwar rund 30 Prozent. Dafür ist die Montage einfach, sicher und in der Mietwohnung am ehesten genehmigungsfähig. Im Winterhalbjahr ist das senkrechte Modul sogar nah am Optimum.
Ein Kompromiss sind Halterungen mit leichtem Anstellwinkel. Sie kippen das Modul am Geländer um 15 bis 30 Grad nach außen. Das bringt je nach Richtung 10 bis 20 Prozent mehr. Aber: Der Winddruck steigt, und manche Vermieter lehnen überstehende Module ab. Wie du das mit dem Vermieter klärst, erklärt der Beitrag Balkonkraftwerk in der Mietwohnung.
Ost und West kombinieren: Was bringt das?
Viele Balkone haben zwei Seiten, oder du nutzt Balkon und Fenstersims. Dann kannst du ein Modul nach Osten und eines nach Westen richten. Die Summe liegt etwas unter einer reinen Südanlage. Der Strom verteilt sich aber gleichmäßiger über den Tag.
Das ist ein echter Vorteil. Ein Balkonkraftwerk ohne Speicher lohnt sich nur für den Strom, den du im Moment der Erzeugung verbrauchst. Morgens laufen Kaffeemaschine und Wasserkocher, abends Herd und Fernseher. Eine Ost-West-Anlage trifft diese Spitzen besser als eine Südanlage, die mittags viel liefert, wenn oft niemand zu Hause ist.
Technisch brauchst du dafür einen Wechselrichter mit zwei getrennten Eingängen. Das ist bei aktuellen Geräten für Balkonkraftwerke fast immer der Fall.
Wie stark schadet Schatten?
Mehr als eine schlechte Himmelsrichtung. Ein Modul besteht aus mehreren Zellsträngen. Fällt auf einen Strang Schatten, sinkt dessen Leistung, und das zieht je nach Aufbau das ganze Modul herunter. Moderne Module haben Bypass-Dioden, die den Schaden begrenzen. Ganz verhindern können sie ihn nicht.
Typische Schattenwerfer auf Balkonen sind der Balkon darüber, Trennwände zum Nachbarn, Bäume und Markisen. Beobachte deinen Balkon an einem sonnigen Tag zu drei Uhrzeiten. Notiere, wann wo Schatten liegt. Das Modul gehört an die Stelle, die mittags am längsten frei ist. Wenn du ohnehin eine Beschattung planst, lies vorher den Vergleich Markise oder Sonnensegel.
Wie schätzt du deinen Ertrag vorher ab?
Am genauesten geht das mit dem kostenlosen Rechner PVGIS der EU-Kommission. Du gibst deinen Standort, die Modulleistung, die Richtung und den Winkel ein. Das Tool rechnet mit Wetterdaten mehrerer Jahre und zeigt dir den Ertrag Monat für Monat.
So gehst du vor:
- Himmelsrichtung mit dem Kompass im Handy messen. Die Balkonbrüstung zeigt die Richtung.
- Winkel festlegen: 90 Grad für senkrecht am Geländer, sonst den Winkel der Halterung.
- Modulleistung aus dem Datenblatt eintragen, zum Beispiel 800 Wp.
- Systemverluste bei 14 Prozent lassen, das ist ein realistischer Standardwert.
- Vom Ergebnis zehn bis zwanzig Prozent abziehen, wenn Schatten im Spiel ist.
Mit dieser Zahl rechnest du die Ersparnis aus. Bei 35 Cent je Kilowattstunde und 60 Prozent Eigenverbrauch bringen 600 kWh rund 125 Euro im Jahr. Vor dem Start musst du das Gerät übrigens registrieren. Das Verfahren steht unter Balkonkraftwerk anmelden. Welcher Stecker erlaubt ist, erklärt Schuko oder Wieland.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk auf einem Nordbalkon?
Soll ich das Modul flach auf den Balkonboden legen?
Bringen bifaziale Module am Geländer mehr?
Wie finde ich die Himmelsrichtung ohne Kompass?
Darf das Modul über das Geländer hinausragen?
Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Ertragsangaben sind Richtwerte für Deutschland ohne Verschattung, Angaben ohne Gewähr.
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